Kurzer Führer für den Besuch der

SANKT-ANDREAS Kirche in Antwerpen

Liebe Besucher, herzlich willkommen in unserer gemütlichen Pfarrkirche. Obwohl sie einst als ‘Pfarrei des Elends’ be­zeich­net wurde, überrascht diese Kirche den Besucher mit einigen Glanz­stücken des Antwerpener Kunstpatrimoniums. Das Ge­bäude ist – typisch für diese Region – im gotischen Stil, be­inhaltet manieristische Gemälde, barockes Mobiliar und neu­gotische Glasfenster. Außergewöhnlicher Weise gibt es einige moderne Ergänzungen. Ganz besonders der spielerische Einfall des Sonnenlichts in Verbindung mit dem Farbenreichtum der Fenster inspirierte Vincent van Gogh. Als ein ‘Haus Gottes’ ist die St.-Andreaskirche eine angenehme Oase, dank des Engage­ments enthusias­tischer Freiwilliger. 

  • Die benachbarten Straßennamen

beziehen sich auf die Geschichte, den Schutzpatron der Kirche und einige Merkmale der Kirche: Augustinen­straße, St.-Andreasstraße und -Platz, Pomp­straße (nach einer ursprüngliche Pumpe auf dem Fried­hof benannt) und die ‘Waai­straat’ (Wehstraße), die nicht zu­fäl­lig am Fuße des Kirch­turmes liegt. 

  • (A) Der Kirchturm

1755 stürzte der gotische Turm ein. Ein neuer Turm im barocken Stil und mit einer hölz­ernen Dach­haube wurde er­richtet. Seine symbolische Höhe von 58m weist zum Himmel, zu Gott, in dem der Mensch letztendlich seine wahre Bestimmung findet. Beim Kampf um die Un­ab­hängigkeit Belgiens diente der Turm als Aussicht für König Leopold I. um die hollän­dischen Trup­pen in der Zitadelle zu be­obachten. Um eine Wieder­ho­lung des Szenarios von 1755 zu verhindern, wurde die Turmspitze von 1968 bis 1975 wieder errichtet. 

  • Geschichte

Hier liessen sich die Augustinermönche der sächsischen Ordensprovinz nieder. Sie er­richteten 1513 eine Kapelle, der Anfang des Baus eines Klosters und dieser Kirche. Wegen ihrer Sympathie zu ihrem protestierenden Ordensbruder Martin Luther wurde das Kloster 1522 auf Befehl von Regentin Margarethe von Österreich geschlossen, ein Jahr später wurden zwei Mönche in Brüssel hingerichtet. 1529 wurde das Gebäude als Pfarrkirche eingeweiht. Langsam, aber sicher haben die Gemeinde­mitglieder von St.-Andreas schwere Lebenslagen überstanden, wie den Bilder­sturm (1566), die Zerstörung des Chorraums und des Transepts durch die Calvinisten (1581), und den Einsturz des Turmes (1755) und haben ihre Kirche mit Kunst­verstand wieder zu einem großen ‘Gotteshaus’ aufgebaut und erweitert.

Die Kirche und ihr Gut überlebten die Französische Revolution dank eines Priesters, der einen Eid für die Revolution geleistet hat, gegen das Verbot der Kirche! Dennoch wurden mehrere Kunst­werke aus ehemaligen Klöstern wieder verwendet, z.B. der barocke Haupt­altar aus der Zisterzienserabtei von Hemiksem. Ein weiteres monumentales Kunstwerk kam hinzu: die neue barocke Kanzel. In den Jahren 1970 fand eine ganze Restauration des Kirchenraumes statt. 

  • (B) Die Kanzel

Ein populärer Anziehungspunkt ist die barocke Kanzel, von J.-B. van Hool und J.-Fr. van Geel (1821). Sie zeigt in Lebensgrösse die Berufung der ersten beiden Apostel: Andreas, der Schutzheilige die­ser Gemeinde, und sein Bruder Petrus. Getreu dem Evange­lium (Mt. 4:18-20) werden beide Fischer bei ihrer Arbeit von Jesus an­ge­sprochen, der sie auf­fordert, ihm künftig zu folgen und ‘Mensch­en­fischer’ zu werden. Unverzüglich, aber noch er­staunt über diese Auf­­forde­rung, verlassen sie ihre Net­ze. Die Darstel­lung in Lebens­grösse der Gestalten, ihres Werk­zeugs (das Boot, die Netze!) und der Fische ist ver­blüf­fend realis­tisch, dieses alles inmitten einer Theater­bühne von Fel­sen und Vegetation. Künst­lerisch kann Jesus dem Menschen un­mög­lich näher sein als hier. Ist diese radi­kale Wendung im Leben dieser beiden Män­ner, in­mitten ihrer an­streng­en­den Tätigkeit, nicht eine Ein­la­dung für Sie, über den Sinn Ihres Lebens nach­zu­denken? Ein guter Platz um für geistliche Berufung­en zu beten. 

  • (C) Altar des Heiligen Kreuzes

Marmorner Portikusaltar mit Karyatiden (C. Van Mildert, 1663); Gemälde Kalvarie (Fr. Francken II, 1603); marmorne Balustrade (J.A. Van den Cruyce I und II, 1672).

  • (D) Monument des Heiligen Kreuzes

“Wer mein Jünger sein will, der nehme sein Kreuz auf sich” (Mt 16:4). 

  • (E) Altar der Heiligen Anna

marmorner barock Altar (J. Van der Cruyce, 1673); Gemälde Die Sippe der H. Anna (M. Pepijn zugeschrieben); marmorne Balustrade (M. Van der Voort I zugeschrieben, 1720?) 

  • (F) Orgel

Musizierende Engel, Barocke Bilder (G. Roefs, 1791); Gemälde God is a DJ (Dries Vanwijnsberghe, 2004) 

  • († 1-14) Kreuzweg

Die 14 Stationen sind fast alle von unterschiedlichen Künstlern im romantischen Barockstil (1845-‘57). Die Besinnungstexte richten sich direkt an den Besucher. 

  • (G) Glasfenster des südlichen Schiffes

Die Auswahl Mariens, neugotisch (Stalins & Janssens und J.-B. Béthune, Jahren 1870), Die Anbetung der Hirten (J. Huet, 1965) 

  • (H) Silberner Reliquienschrein für 36 Heilige

(J. Verschuylen, 1845), wird bei der Prozession getragen. 

  • (I) Die Glasfenster des nördlichen Schiffes und des nördlichen Querschiffes

bilden zusammen die Reihe der sieben Sakramente (J. Huet, 1963-‘66). Darunter befinden sich meistens alt-testamentarische Gleich­nisse. 

  • (J) Die Statue des Heiligen Petrus (Arthus I Quellin)

In weissem Marmor (ca.1658). Petrus’ Gesicht zeigt psycho­logisch eindrucksvoll seinen tiefgründigen und zugleich beweg­ten Schmerz, gezeichnet von Gewissens­qualen, da er einen Freund – nämlich Jesus – verleugnet hat (Mt.26:75). Daran erinnert uns der Hahn zu seinen Füssen, entsprechend Jesus’ Voraussagung: “In dieser Nacht, noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen” (Mt.26:34). Selbsterhaltung versus Freundschaft, ein endloses Ringen! Um seine Freundschaft und sein Vertrauen zu Jesus zu demonstrieren, ist der Heilige Petrus schliesslich bereit, am Kreuz zu sterben und deshalb umarmt er hier sein (seitenverkehrtes) Kreuz. 

  • (K) Chor, zur aufgehenden Sonne hin gerichtet; Symbol für Jesus, das Licht der Welt

* Der monumentale Hochaltar

(W. I. Kerricx, ca.1729). Letztlich entwic­kel­­ten sich die barocke Retabeln sogar zu richtigen theatralen ‘Live’-Aufführu­ngen, bei denen mit der ganzen dreidimensionalen Bildhauerkunst lebendig erscheinende Figuren auf die Bühne geführt werden. Bei dieser permanenten Aufführung sehen wir die Madonna in vollem ‘Schwung’ und Glanz: die Aufnahme Mariens in den Himmel. Maria, umgeben von Engeln, welche sie zum Himmel begleiten, ist das Vorbild für jeden Menschen, der in diesem Leben unterwegs ist, und der sich nach der definitiven Heimkehr in das himmlische Vaterhaus sehnt. Das hebräische Tetragramm für ‘Gott’ steht in einem Dreieck, symbolisch für die Dreifaltig­keit Gottes. Der untere Teil besteht aus Marmor, die Bekrönung darüber ist … aus Holz mit Gipsbelag. Dass dieser Altar von der Zisterzienser­abtei St. Bernhard in Hemiksem stammt, ist erkennbar an den zwei Begründern des Ordens, mit dem Stab eines Abtes: Robert von Molesmes, mit einem Kirchen­modell, und Bernhard von Clairvaux, ein sehr populärer Prediger, ‘honig­süsser Lehrer’ genannt, deshalb der Bienenkorb. An dem Reliefs (P. Verbrugghen I, 1665) am Unten des Altars bringen begeis­terte, entzückende, kleine Engel die liturgi­schen Gebrauchsgegenstände (von links nach rechts): die Kännchen für Wein und Wasser und die Glocke, die Wasserkanne, Wein­trau­ben und die Kelche, die Ähren, Weih­rauch und das Messbuch.

* Das Martyrium des Heiligen Andreas,

Gemälde des ursprünglichen Hochaltares (Otto Van Veen, 1594-‘99). Sein Schüler in dieser Zeit, P.P. Rubens, wird dasselbe Thema 40 Jahre später in einer ganz dynamischen Komposition darstellen.

* Taufbecken

 in diesem wurden u.a. die berühmten flämischen Autoren Hendrik Conscience (1812) und Lode Zielens (1903) getauft.

* Chorstühle (Ende 16.Jh.)

* Tafeln der 36 Heiligen (Th. Boeyermans, 17.Jh.).

Daneben einige moderne Heilige; bemerken Sie im Spiegel einen neuen Kandidaten für die Heiligkeit?

* Der Schutzengel, Gemälde (Erasmus II Quellinus, 1667).

Frau Fortuna verführt einen jungen Mann auf drei unterschiedene Weisen: sie bietet ihm einen Lorbeer­kranz des Ruhmes und eine goldene Krone der Macht an weist mit einem Szepter auf Reichtum: Säcke mit Gold gefüllt. 

  • (M) Kapelle des Heiligen Sakramentes,

auf der Südseite, Symbol von Jesus’ warmer Liebe; barocker Portkusaltar (L. Willemsens zugeschrieben), Gemälde Das Letzte Abend­mahl (P. Ykens, ca.1687). 

  • (P) Monument der Hofdamen Maria Stuarts

Bilderkunst (J. und R. Colijns de Nole, 1620), Porträt (Fr. Pourbus ?). Die katholische schottische Königin Maria Stuart wurde 1587 von ihrer Gegenspielerin Elisabeth I. exekutiert. Sie hat hier ein Gedächtnismonument bekom­men dank des Epitaphes zweier ihrer Hofdamen (1620), die nach Antwerpen geflüchtet waren.

  • (Q) Das Monument für die Seelen im Fegefeuer

Bemaltes Holz (P. Scheemaeckers, 1710). Es lädt ein zur Solidarität mit den leidenden Toten, da ihr Streben nach dem Guten zu Lebzeiten nicht ausreichend war. 

  • (R) Eine Reihe von Schuhen

zeigt in aufsteigende Weise den Weg des Lebens von der Geburt bis zum…

  • (S) Monument für die Toten:

“Wer durstig ist, den werde Ich umsonst aus der Quelle trinken lassen, aus der das Wasser  des Lebens strömt” (Offb.21:6). 

  • (T) Monument für die Augustinen – Märtyrer des Protestantismus 1523

“Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmel­reich.” (Mt. 5:10). In beunruhigenden Zeiten haben auch sie Christus’ Wort gepredigt… 

  • (U) -Eligius-Altar der Münzer

Gemälde (M. de Vos, 1601): mittlere Tafel Die Frage nach der kaiserlichen Steuer (Mt. 22:15-22), eine vorläufige Reproduktion von Agfa-Gevaert; Außentafeln: Die Gier des Egoismus versus Die Großzügigkeit der Caritas. Auf diese Tugend der Caritas bezieht sich ebenfalls das Gemälde an der Nordwand: Die Werken der Barmherzigkeit (Fr. Francken II, ca.1600-‘20), auf die Untugend die Gemälde oben die Tür des Schatzkammers: Lazarus und der Giere Reiche. (Atelier A. Francken) 

  • (V) Marienkapelle

auf der rechten Seite des kreuzförmigen Grundrisses.

* Statue Die Muttergottes des Beistands und des Sieges

(Ende des 16.Jh.), Name seit 1689, nach der Befreiung (z.B.) Wiens von den islamitische Ottomanen (Türken). Die Statue besitzt eine umfang­rei­che Garderobe wegen der nötigen Änderung entsprechend der liturgischen Farben. Die meis­ten Gewänder stammen aus dem 18.Jh., ein beeindruckender Mantel mit goldener Borde ist von 1863. Ein zeitgemäßes, elegantes Kleid von Ann Demeulemeester (2001) zeigt, dass Maria, ‘authentisch und transparent wie sie war’, ein modernes Vorbild bleibt.

* Beichtstuhl

 (L. Willemssens zugeschrieben, 17. Jh.). Die beabsichtige Versöhnung ist durch zwei Engel, die sich auf die Wangen küssen, dargestellt.

* Glasfenster

Maria als Beistand für in einen Sturm geratene Seeleute (H. Dobbelaere, 1866, musste jedoch großflächig nach einem Bombeneinschlag von 1945 restauriert werden) inspirierte Vincent van Gogh hier in 1886. 

  • (X) Schatzkammer

Themen: Juwelen für die Gottesmutter, die Heiligenverehrung, die Prozession. 

  • Seitenportale (Z)

verabschieden Sie: “Gehet hin in Frieden”, “Der Herr ist mit euch”. Hoffentlich brachte Ihnen der Besuch in diesem ‘Gotteshaus’ inneren Friede und Freude.