St.-Andreaskirche zu Antwerpen
Der Hochaltar

aus Marmor; oben: Peter I. Verbrugghen, 1665; unter: Willem Ignatius Kerricx, 1729

 

Ein Blickfang ersten Ranges ist der barocke Hochaltar, der wie eine riesenhafte Kulisse die gesamte Breite des Hochchors in Beschlag nimmt. Dieses monumentale Werk stammt eigentlich aus der ehemaligen St. Bernardus-Abtei des Zisterzienserordens in Hemiksem, das von der französischen Revolutionsherrschaft aufgehoben wurde. Obwohl der Teil über dem Gesims aus marmoriertem Holz ist – eine Frage der Tragfähigkeit, aber auch der Finanzen – blieb der Umzug dieses enormen Ungetüms 1807-09 dennoch eine schwierige Aufgabe. Die Herkunft geht aus den beiden heiligen Ordensgründern mit Abtstab hervor. Verweist das Kirchenmodell über Robert von Molesmes u. a. auf dessen materielle Klostergründung, so steht der Bienenkorb über Bernardus von Clairvaux für dessen Beinamen „honigfließender Lehrer“.

Das barocke Retabel wurde von Willem Ignatius Kerricx um 1729 zu einer richtigen Theateraufführung ausgearbeitet: die Himmelfahrt Maria. Die gleichsam dreidimensionale Bildhauerarbeit zeigt lebensgroße Figuren, die in dieser sichtbaren Welt beim leeren Grab stehen. Voll Ehrfurcht drücken sie ihre Verwunderung über Marias Übertritt ins Jenseits aus, eine Bewegung himmelwärts, die von den Engeln – ebenfalls in Halbrelief – begleitet wird. Das letztendliche Lebensziel wird mit dem hebräischen Vierbuchstabenwort für „Gott“ im flachen Dreieck angezeigt, Symbol der Heiligen Dreifaltigkeit. Der riesige Strahlenkranz, der davon ausgeht, symbolisiert Gottes Herrlichkeit, in die Maria aufgenommen wird. So ist Maria das Modell für all jene, die auf eine definitive Heimkehr zu Gott im Himmel warten. Bei gutem Wetter gleitet der Lichteinfall wunderschön von mittags bis abends über die zentralen Bilder von unten nach oben.

Die Marmor-Predellareliefs von Peter l. Verbrugghen (1665) verweisen auf die Eucharistie. Das zentrale Letzte Abendmahl erfolgt an einem reich gedeckten Tisch, auf dem eine getreue Wiedergabe des Tischgeschirrs zu sehen ist und unter dem ein großer Hund liegt, der auf einem Knochen kaut. Auf den Seitentafeln ordnet eine Gruppe verspielter Engel das liturgische Gerät an, von links nach rechts: Messkännchen und Schelle, Waschbeckenkanne, Kelch und Trauben, Ähren, Weihrauch und Messbuch.